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An der Tür des Erzählers klingelt es, davor steht der Tod. Die Zeit des Erzählers ist gekommen, doch etwas geht schief. An der Schwelle zum Jenseits tobt ein Kampf um die Stelle des Todes und der Erzähler steckt ungewollt plötzlich mittendrin. Gemeinsam mit seiner Ex-Freundin, mit der er nie ganz abgeschlossen hat, und dem Tod beginnt er einen Roadtrip zu seiner Mutter und seinem Sohn. Es steht viel auf dem Spiel, nicht weniger als das Jenseits der ganzen Menschheit.

›Sophia, der Tod und ich‹ ist das Romandebüt des Musikers Thees Uhlmann. Als Musiker gehört er fest zu meinem Unterhaltungsrepertoire, auf dem Wege bekam ich auch deutlich verspätet mit, dass er in Buchform schreibt. Sein zweites Buch über die Toten Hosen gab es irgendwann mal als Hörbuch bei Spotify, das hat mit stilistisch ziemlich begeistert (er ist auch ein ganz wunderbarer Vorleser für seine Texte). Da lag es nah, sich auch mal seinem Roman zu widmen. Was sich keinesfalls als Fehler erweisen sollte.

Der nicht näher benannte Erzähler – männlich, um die 40, ein Sohn, zu dem er aber nur einseitig über tägliche Postkarten Kontakt hat, Altenpfleger und ansonsten in seinem Leben relativ gescheitert, das aber wenigstens in beißendem Zynismus – wird also mit seinem unmittelbar bevorstehenden Tod konfrontiert, der einen Hauch weniger unmittelbar auf unbestimmte, aber absehbare Zeit verschoben werden muss. Von nun an fristet er sein Leben gemeinsam mit dem Tod – tot, sehr alt, stilvoll, unterhaltsam, Mutters Liebling und vom Karriereende bedroht -, denn ein kosmischer Jux besagt, dass stirbt, wer weiß, dass er der Tod ist und sich weiter als 400m von ihm entfernt … etwa. Aus dem gleichen Grund muss des Erzählers Ex-Freundin und große Liebe Sophia – ebenfalls um die 40, polnischer Abstammung, wunderschön und noch beißender zynisch – sich dem kuriosen Paar anschließen und später auch des Erzählers Mutter. Es bildet sich eine Gruppe sehr unterschiedlicher Charaktere, die aber eine meist urkomische Kombination ergeben.

Uhlmann gelingt dabei etwas recht schönes, denn ›Sophia, der Tod und ich‹ hat an sich eine recht vorhersehbare Handlung, wird durch die Figuren und ihr Zusammenspiel in Wort und Tat aber zu einem ganz tollen Roman. Insbesondere die Dialoge sind teilweise herrlich absurd, egal wer gerade beteiligt ist. Dabei spielt er gefühlsmäßig auf einer breitgefächerten Klaviatur: von Trauer über Wut bis Lachen und Freude ist alles dabei und das so, dass es sich nie erzwungen anfühlt. Gute Teile sind so herrlich melancholisch, wie man Uhlmann auch musikalisch kennen kann. Das beherrscht er wirklich auf besondere Art.

Ein ganz kleines bisschen gewarnt sei trotzdem. Die Geschichte findet in einem kleinstädtisch sozialisierten Umfeld statt, das färbt naturgemäß etwas auf die Figuren ab. Es gibt zwar sehr wenig und nicht allzu harte diskriminierende Sprache, aber frei von ihr ist ›Sophia, der Tod und ich‹ nicht. Meist fügt sich das in ein Zusammenspiel zwischen den Figuren ein (Sophia und ihr Vater frotzeln mit dem Erzähler über ihre polnische Herkunft, des Erzählers Mutter kokettiert regelmäßig mit ihrem Hintergrund als Hugenottin), allerdings wird insbesondere Autismus ein paar mal zweckentfremdet. Wie gesagt, es sind sehr wenige Einzelfälle, aber es gibt sie.

In diesem Sinne, mit ›Sophia, der Tod und ich‹ bekommt ihr ein wunderschönes, melancholisches, witziges, trauriges, optimistisches und insgesamt sehr gelungenes Buch über das Leben, die Liebe, den Tod und überhaupt. Thees Uhlmann hat ein tolles Debüt geliefert.
Sophia, der Tod und ich
Sophia, der Tod und ich
Thees Uhlmann
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