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Fritz und Emma kennen sich seit ihrer Kindheit und schienen von Anfang an füreinander bestimmt. Doch dann kam der Krieg und als Fritz in ihr Dorf Oberkirchbach zurückkehrt, ist nichts mehr so, wie es war.

Emma hat auf ihn gewartet und war überglücklich, Fritz wieder gesund in die Arme schließen zu können, sie wollten doch heiraten. Doch gesund ist Fritz nur körperlich, seine Seele hat großen Schaden genommen.

In Oberkirchbach, viele Jahrzehnte später, versucht Marie, die Frau des neuen Pfarrers heimisch zu werden. Das ist nicht ganz einfach, das Dorf scheint gespalten, im Zentrum die alten Bewohner und im Neubaugebiet die jungen Familien, aber es gibt kein Miteinander mehr. Ein Dorffest soll es richten, wenn da nicht die zwei unversöhnlichen Einwohner wären: Emma und Fritz, die nie wieder ein Wort gewechselt haben.

Das Buch ist eine Liebesgeschichte, eine traurige und tragische dazu, aber es ist auch eine Geschichte vom Verschwinden der Dörfer. Wenn das Dorfzentrum stirbt, es keine Geschäfte und kein Wirtshaus mehr gibt, bleiben nur noch die Kirche und der Friedhof. Auch Neubaugebiete bringen kein Leben in die Dorfstruktur und die meisten Menschen, die jungen, genau wie alten, leben nebeneinander her.

In dieser Geschichte hat mir ganz besonders die junge Pfarrersfrau Marie gefallen, die mit ihrem Mann gleich noch ein Stück vom Beruf geheiratet hat. Denn an „Frau Pfarrer“ sind große Erwartungen geknüpft. Für alle eine offenes Ohr, in den Vereinen präsent und unbezahlte Seniorenberaterin soll sie auch noch sein. Kein Wunder, dass sie mit der Rolle hadert. Die Autorin schildert das Ankommen und Heimischwerden auf eine mitreißende Art und ihr gelingt die Verknüpfung zwischen der alten Liebesgeschichte und dem heutigen Handlungsstrang. Beide sind warmherzig erzählt, der Stil der Autorin gefiel mir außerordentlich gut.

Ihr gelingt auch noch eine kleine Hommage an das Dorf, ich konnte es mir gut vorstellen und gleichzeitig kamen auch die Erinnerungen an das Dorf meiner Kindheit hoch, dessen Schicksal dem von Oberkirchbach gleicht – nur dass es keine Marie gibt.

Die Autorin ließ auch wichtige Themen einfließen: die Kriegstraumata, die damals nicht erkannt und behandelt wurden, der Umgang mit Ostflüchtlingen und in der Gegenwart der Strukturwandel der Dörfer. Das alles gelingt mir mit Empathie und Herzenswärme und so ist der Roman von der ersten Seite an ein ganz besonderer Lesegenuss.
Fritz und Emma
Fritz und Emma
Barbara Leciejewski
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