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Mit großer Freude halte ich den 2. Band in Händen und bin gespannt, ob mich die Geschichte um Lily und Jo ebenso verschlingt, wie es Teil 1 getan hat.

Los gehts:
Bereits nach wenigen Seiten sitze ich neben Lily in der Buchhandlung Huckabee & Huckabee. Der dampfende Assam Tee über dem heißen Kessel weht uns um die Nase. Das ist einer der schönsten Orte für Lily in Liverpool. Doch nun, nach drei Jahren Ehe, kehrt Lily mit ihrem Mann Henry und ihrer Tochter zurück nach Hamburg. Hanna, ein Kind der Liebe in einer Ehe, die eine Farce ist. Doch das waren die damaligen Zeiten.

Was mich aufwühlt:
Es dauert nicht lange und wieder kriechen Schrecken und Grausamkeiten der damaligen Zeit durch die Seiten. Das Buch belastet mich sehr beim Lesen. Weitaus mehr als die von dunklen Geschichten wie Dark Romance, die in der Gegenwart spielen und mich beim Lesen auch nicht mit Samthandschuhen anfassen. Ich weiß, dass ich mich gerade wie ein Weichei lese, und es könnte mir egal sein, was vor über 130 Jahren passiert ist, aber genau hier trennt sich bei Autoren die Spreu vom Weizen und so ist es mir mit Nichten egal.

Georg wirft mich in eine Welt, deren grausame Realität mich schier erdrückt. Einiges ertrage ich kaum und ich möchte es am liebsten überlesen, aber ich bin tapfer, denn Jo, Lily, Emmy, Charlie, Michel und all die anderen sind es auch. Sie sind mir in dieser Dilogie derart nahegekommen, das ich das Gefühl habe, sie gehören zu meinem Leben. Liebe Miriam Georg, du hast mir mit diesen Büchern ein wahnsinniges Geschenk bereitet. In jeder Zeile schlägt der Puls der vergangenen Tage. Lauter als mein eigener und durch ihn habe ich einen neuen Blick auf die Gegenwart erhalten und diesen Blick möchte ich nicht mehr missen.

Was mich Demut lehrt:
Es gibt nur wenige Momente, die mich Lächeln lassen, aber ich inhaliere jeden Einzelnen davon. Im Nachgang frage ich mich, wie die Menschheit überleben konnte. In einer Zeit, in der wir Menschen so anfällig für Krankheiten waren, gegen die es keine Medizin gab, die Hygiene in den Kinderschuhen steckte und die Armut mit dem einhergehenden Elend und der Hungersnot riesig waren, erstaunt mich im Hier und Jetzt umso mehr. Und auch meine Wurzeln reichen in diese Zeit zurück und ich frage mich, welche Rollen meine Vorfahren innehatten. In welchen Berufen verdingten sie sich, welchen Krankheiten erlagen sie. Ich werde es nie erfahren.

Das Sprachbild ist offen, anschaulich, mitreißend, begleitet von einer Ernüchterung und Ehrlichkeit, die mir oft eine Gänsehaut der Furcht über den Rücken jagt. Georg schont weder die Figuren noch ihre Leserschaft, doch genau das ist der ursprünglichste Austausch, den es zwischen Leser und Autor geben kann: auf Augenhöhe, direkt, offen und ungeschönt.

Mein Fazit:
„Elbstürme“ trägt seinen Namen zurecht. Mehr als einmal braust die Geschichte mit Orkanstärke durch mich hindurch und droht mich zu brechen. Es passiert so viel und es gibt nicht eine Stelle, die mich dazu bringt, irgendetwas zu hinterfragen. Ich bin gefangen in den Seiten und getragen durch Ereignisse, die meinen Herzschlag beschleunigen. Mein Mund wird trocken und das Schlucken fällt mir schwer.

Selten kriecht mir eine Geschichte derart unter die Haut, verfolgt mich bis in meine Träume und betrübt mein Herz. Doch mit all der Schwere, die dieses Buch mit sich bringt, überschüttet es mich mit einer Dankbarkeit für mein Leben mit all seinen Privilegien in der Gegenwart. Mit „Elbstürme“ richtet Georg meinen Blick auf all das, was vor nicht allzulanger Zeit undenkbar war. Verlieren wir den Zugang zur Vergangenheit, verlieren wir den Zugang zu uns selbst, das dürfen wir nie vergessen.

Von mir erhält „Elbstürme“ 5 grandiose Sterne von 5 und eine absolute und unbedingte Leseempfehlung.
Elbstürme
Elbstürme
Miriam Georg
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