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Ein Held ist, so steht es im Kinderlexikon, jemand, der etwas Besonderes getan hat, großen Mut zeigt, sich für andere Menschen opfert, manchmal besonders klug, weitaus öfter jedoch besonders stark ist. Insofern sind Markus Jägers Helden eigentlich keine. Felix und Kilian lernen sich 1936 am Wiener Heldenplatz kennen und lieben. Sie werden jedoch keine Vorreiter der Schwulenbewegung, gehen auch nicht in den antifaschistischen Widerstand, sondern flüchten. Immer wieder, sobald ihre Liebe entdeckt wird: aus Österreich nach Frankreich und Schweden, später aus Bayern nach Amerika. Ihre Beziehung halten sie über Jahrzehnte geheim, auch nachdem 1969 der Stonewall-Aufstand in der New Yorker Christopher Street einen emanzipierteren Umgang mit gleichgeschlechtlicher Liebe möglich macht. Der verstohlene Blick über die Schulter, die Angst davor, entdeckt zu werden, und die eigene Scham prägen sie ihr ganzes Leben lang.
Und so ist dieser sprachlich ganz wundervolle Roman kein actionreiches Heldenepos, sondern eher eine leise Abenteuerreise ohne klassische Helden, ohne Gallions- oder Märtyrerfiguren schwuler Emanzipation. Im Gegenteil – und das ist das erschreckend Erhellende daran: Es ist eine Lebensgeschichte, wie sie im letzten Jahrhundert tausendfach vorgekommen sein muss. Wie viele homosexuelle Männer, und auch Frauen, haben sich aus Angst vor Ächtung und Diskriminierung in dieser Heimlichkeit einrichten müssen? Wie viele haben in dieser Heimlichkeit ihr Glück finden können? Wie viele Beziehungen sind daran zerbrochen? Und wie viele nicht?
Vielleicht liegt hierin das eigentliche Heldentum: Dass man seine Liebe nicht verrät. Auch wenn die Kompromisse, die man dafür eingehen muss, alles andere als heldenhaft sind.
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Helden für immer
Helden für immer
Markus Jäger
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